Die gefährlichsten Eisenbahnen der Welt
Regard14 juillet 20204 min de lecture

Die gefährlichsten Eisenbahnen der Welt

Fünf Eisenbahnstrecken, auf denen die Fahrt selbst zum Reiseerlebnis wird.

Inhaltsverzeichnis

  • Tren a las Nubes — Argentinien in 4 200 Metern Höhe
  • Maeklong, der Markt, der sich für den Zug zusammenzieht
  • Gokteik, die metallische Kühnheit des kolonialen Burma
  • La Nariz del Diablo, das ehrgeizige Werk der ecuadorianischen Anden
  • Takamori, den Atem des Berges Aso streifen

Es gibt Eisenbahnstrecken, die sich nicht damit zufriedengeben, zwei Bahnhöfe miteinander zu verbinden. Sie kleben an Berghängen, liegen inmitten eines Quartiermarktes oder schlängeln sich am Rande eines aktiven Vulkans vorbei – sie erzählen sowohl von Geografie als auch von menschlicher Genialität. Hier sind fünf Bahnstrecken, die auf ihre Weise das Zugfahren zu einem Erlebnis machen, wo Schönheit auf Schwindel trifft.

Tren a las Nubes: Fahrt in den argentinischen Anden

Im Norden Argentiniens, dort wo die Anden-Gebirgskette den Horizont kräuselt, erklimmt ein Zug langsam eine Höhe von 4 200 Metern. Er heißt Tren a las Nubes, der „Wolkenzug", und das Bild ist nicht nur eine Metapher: In dieser Höhe durchfährt der Zug tatsächlich Nebelschichten.

Die Geschichte dieser Strecke ist weniger romantisch als sie scheint. Bevor sie von Touristen benutzt wurde, diente sie dem Transport von in der Region abgebauten Erzen. Heute als Touristenattraktion umgewandelt, bleibt sie eine der höchsten Eisenbahnstrecken der Welt – und eine der wenigen, bei der man neben dem Fotoapparat auch etwas Zeit zur Akklimatisierung gegen die Höhenkrankheit einplanen sollte.

Maeklong, der Zug, der sich die Gleise mit einem Markt teilt

Eine Stunde von Bangkok entfernt ist die Maeklong Railway in ihrer Trassenführung nichts Besonderes. Ihre Einzigartigkeit liegt in einem Detail: Ihre Gleise dienen auch als zentrale Passage eines Marktes für Frischprodukte. Fischstände, Obstkörbchen, Sonnenschirme und Planen werden nur wenige Zentimeter neben den Schienen aufgestellt.

Mehrmals täglich kündet eine Glocke die Ankunft des Zuges an. In wenigen Sekunden werden Waren und Markisen in einer präzisierten Choreografie eingezogen, der Zug fährt vorbei, dann nimmt alles wieder seinen Platz ein, als wäre nichts geschehen. Die Gefahr besteht hier weniger in der Strecke als in der nahezu unwirklichen Nähe zwischen dem täglichen Leben und der Maschine.

Gokteik, das schwebende Erbe Burmas

Das 1901 eröffnete Viadukt von Gokteik bleibt die höchste Brücke Burmas. Seine 688 Meter Länge und 97 Meter Höhe ruhen auf einem Stahlgerüst aus einer anderen Epoche, das über einer von Tropenwäldern bewachsenen Schlucht positioniert ist.

Der Zug, der Pyin Oo Lwin mit Lashio verbindet, fährt über die Brücke mit vorsichtiger, fast zeremonienartiger Langsamkeit. Die Überquerung dauert lange Minuten, in denen der Blick auf die Felswände und das Blätterdach hinabfällt. Dies ist eine jener Strecken, bei denen das Gefühl von Zerbrechlichkeit paradoxerweise zum Vergnügen gehört: Man versteht, während man fährt, was es bedeutete, ein Land „für die Welt zu öffnen" am Anfang des 20. Jahrhunderts.

La Nariz del Diablo, ecuadorianische Herausforderung am Berghang

Auf Spanisch nennt man sie Nariz del Diablo, das „Teufelsgesicht". Diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der ecuadorianischen Andenkordillere erbaute Eisenbahnstrecke hat den Ruf, eine der schwierigsten Baustrecken der Welt gewesen zu sein. Um die nahezu senkrechte Steigung einer Felswand zu überwinden, konstruierten die Ingenieure ein Zickzack-System, das es dem Zug ermöglicht, sich durch aufeinanderfolgende Vorwärtsbewegungen bis zu etwa 2 700 Metern Höhe hochzuarbeiten.

Ursprünglich Quito mit Guayaquil verbindend, konzentriert sich der heute für die Öffentlichkeit zugängliche Streckenabschnitt auf die Strecke zwischen Alausí und Riobamba, aufgrund der Verschlechterung des Bauwerks. Lange Zeit wählten die Verwegenen, auf den Dächern der Waggons zu fahren. Diese Praktik ist seitdem reguliert worden – aber die Strecke selbst hat nichts von ihrem Ruf als Eisenbahn-Abenteuer verloren.

Takamori, entlang eines aktiven Vulkans

Im Süden Japans, auf der Insel Kyushu, ist die Linie Takamori die einzige von der Minamiaso Railway betriebene Strecke. Sie verläuft am Fuße des Berges Aso, des größten aktiven Vulkans des Archipels, dessen Caldera ständig rauchend am Horizont sichtbar ist.

Die Erdbeben von 2016 haben Teile der Strecke destabilisiert und einige Abschnitte sind seitdem geschlossen. Die mögliche Strecke verbindet heute den Bahnhof Takamori mit dem Bahnhof Nakamatsu durch eine friedliche Landschaft, in der man fast vergessen würde – wäre da nicht die graue Silhouette des Vulkans – dass man auf einem der geologisch instabilsten Punkte Japans fährt. Genau diese Spannung – zwischen Sanftheit der Landschaft und tektonischer Kraft – macht die Strecke unvergesslich.

Florine Dergelet

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Charlene Desdoits

L'auteur

Charlene Desdoits

Amoureuse des mots, de la nature et des rencontres, elle s’attache à transmettre dans ses textes une vision sensible, engagée et responsable du tourisme. Chaque article est pour elle une passerelle en

Catégorie : Itinéraires & idéesMis à jour le 9 mai 2026