Reportage

Top 5 der gefährlichsten Wanderungen der Welt

Fünf Wanderwege, wo Wandern eine Angelegenheit von Leere, Felsen und Geduld wird.

Inhaltsverzeichnis

  • Was Extremwanderer wirklich suchen
  • Hua Shan, die Besteigung ins Leere in China
  • Huayna Picchu, die vertikale Wächterin von Machu Picchu
  • Half Dome, Kaliforniens Granit und seine gespannten Seile
  • Caminito del Rey, der schwebende Pfad Andalusiens
  • Das Amphitheater des Drakensberg, Afrikas Steinmauer

Was Extremwanderer wirklich suchen

In der großen Familie der Wanderer gibt es jene, die die Langsamkeit markierter Wege bevorzugen, und jene, die von etwas anderem träumen: eine enge Passage, ein Brett über dem Abgrund, ein Seil als einziges Geländer. Diese ungewöhnlichen Strecken beschränken sich nicht auf die Suche nach Adrenalin. Sie erzählen oft eine Geschichte — die einer jahrtausendealten Wallfahrt, eines vergessenen Industrieprojekts, eines Gipfels, der die Vertikalität herausfordert. Hier sind fünf Routen, deren Ruf nicht mehr in Frage steht, die aber mit Klarheit, passender Ausrüstung und echtem Bewusstsein für die eigenen Grenzen angegangen werden sollten.

Hua Shan, die Besteigung ins Leere in China

Berg Hua Shan in China

Im Herzen von Shaanxi gehört der heilige Berg Hua Shan zum Pantheon der fünf taoistischen Berge Chinas. In 2.200 Metern Höhe wacht ein Tempel über dem Abgrund, erreichbar durch einen Pfadabschnitt, der legendär geworden ist: ein paar Holzplanken, die an der Felswand befestigt sind, Ketten, die in den Stein verankert sind, und die Leere darunter.

Kein Geländer, kein Netz: die Sicherheit hängt vom Harnisch, der Konzentration und der Qualität des Griffs ab. Es ist besser, in der Trockenzeit aufzubrechen, wenn der Stein nicht rutschig ist, und feste Schuhe zu wählen. Für Reisende, die den Gipfel sehen möchten, ohne sich auf diesen Pfad zu wagen, der im Internet zum Symbol geworden ist, wurden mehrere alternative Wege angelegt und eine Seilbahn führt nun in die Nähe der Hauptgipfel.

Huayna Picchu, die vertikale Wächterin von Machu Picchu

Huayna Picchu in Peru

Es ist die grüne Pyramide, die im Hintergrund aller Fotos von Machu Picchu aufragt. Der Huayna Picchu erhebt sich bis zu 2.720 Metern, und die Besteigung, auf einige hundert Besucher pro Tag begrenzt, erfordert etwa eine Stunde konzentrierte Anstrengung. Der von den Inkas selbst angelegte Pfad wird stellenweise so eng und steil, dass man sich mit in den Stein verankerten Seilen hochziehen muss und auf Stufen voranschreitet, die Jahrhunderte abgenutzt haben.

Das Panorama belohnt die Anstrengung reichlich: die unterhalb entfaltete Inkastadt, das in der Ferne mäandernde Urubamba-Tal und das seltene Gefühl, zwischen Himmel und Geschichte zu schweben. Für Personen, die anfällig für Schwindel sind, wird die Besteigung des Berges Machu Picchu empfohlen, die zwar länger, aber viel breiter und beruhigender ist.

Half Dome, Kaliforniens Granit und seine gespannten Seile

Half Dome im Yosemite-Nationalpark

Im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien erhebt sich die Half Dome mit ihrer Granitkuppel, messergleich abgeschnitten, als hätte ein Gletscher sie mit dem Messer durchgetrennt. Die letzten 400 Meter der Besteigung stellen die Herausforderung dar: zwei parallel verlaufende Metallseile, in den Stein verankert, an denen man sich fast senkrecht hochziehen muss, den Körper zur Hanglage geneigt.

Der physische Aufwand ist real — Arme, Schultern, Waden — und das Wetter, in der Hochsaison launisch, kann den Stein in eine Eisbahn verwandeln. Der Zugang wird durch ein Genehmigungssystem reguliert, das jeden Frühling verteilt wird. Handschuhe mit rauer Handfläche, Schuhe mit guter Haftung und genaue Betrachtung der Unwettervorhersage gehören zur minimalen Vorbereitung.

Caminito del Rey, der schwebende Pfad Andalusiens

Caminito del Rey in Spanien

Der zwischen 1901 und 1905 in der Provinz Malaga erbaute Caminito del Rey war nie als Freizeitstrecke gedacht. Dieser nur einen Meter breite Steg, der an den Felswänden der Desfiladero de los Gaitanes über knapp 3 Kilometer hängt, sollte zwei Wasserkraftdämme verbinden und Arbeitern ermöglichen, die Rohre zu inspizieren.

Jahrzehntelang hatte sein Verfall den Weg zu einem der gefährlichsten Europas gemacht — einige fehlende Planken, eine Stahlstange zum Übersteigen, ein hundert Meter tiefes Abgrund zu Füßen. Nach Restaurierung und Wiedereröffnung für die Öffentlichkeit 2015 bleibt der Pfad ein Lufterlebnis, durchquert mit Helm auf dem Kopf und Harnisch um die Taille. Das Kribbeln ist real, aber moderne Sicherheit hat das Epos in einen beherrschten schwindelerregenden Spaziergang verwandelt.

Das Amphitheater des Drakensberg, Afrikas Steinmauer

Amphitheater des Drakensberg in Südafrika

Im Norden des Drakensberg in Südafrika entfaltet das Amphitheater fünf Kilometer fast geradliniger Basaltklippe, eine der beeindruckendsten Felswände des Kontinents. Die Wanderung, die zur Hochebene des Mont-aux-Sources über 3.000 Meter führt, endet mit zwei langen Metallleitern, die in den Stein geschraubt sind — eine technische Passage, die Arme und Atem gleichermaßen beansprucht.

Auf dem Gipfel wartet ein anderes Spektakel auf die Wanderer: der Tugela-Fluss, der sich über den Abgrund in einen Wasserfall von mehr als 900 Metern Höhe stürzt, einer der höchsten der Welt. Wie so oft in der Höhe wechselt das Wetter schnell: man startet früh, nimmt eine Windjacke mit, behält sich Zeit zum Abstieg vor, bevor sich die Wolken an der Felswand verfangen.

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Charlene Desdoits

L'auteur

Charlene Desdoits

Amoureuse des mots, de la nature et des rencontres, elle s’attache à transmettre dans ses textes une vision sensible, engagée et responsable du tourisme. Chaque article est pour elle une passerelle en

Catégorie : Nature & paysagesMis à jour le 9 mai 2026