Entgegen der verbreiteten Vorstellung ist die Transsibirische Eisenbahn nicht ein Zug, sondern eine mythische Eisenbahnstrecke, die Moskau, die föderale Hauptstadt, mit Vladivostok, dem russischen Pazifikhafen, verbindet. Diese 1916 unter der Herrschaft des Zaren Nikolaus II. vollendete Strecke ist aus einem einfachen Grund legendär geworden: Mit 9.288 Kilometern bleibt sie bis heute die längste Eisenbahnlinie der Welt. Sieben Zeitzonen, Birkenwälder so weit das Auge reicht, mongolische Steppen, der Baikalsee im Hintergrund… Die Transsibirische Eisenbahn ist mehr als nur eine Zugfahrt – sie ist eine Reise durch Zeit und Raum zugleich. Bevor Sie sich auf dieses außergewöhnliche Eisenbahnabenteuer begeben, erfahren Sie hier, wie Sie es entspannt vorbereiten.
Inhaltsverzeichnis
- Formalitäten und notwendige Vorbereitungen
- Die richtige Route wählen: Transsibirische Eisenbahn, Transmongolische Eisenbahn, Transmandschurische Eisenbahn
- Tickets buchen ohne böse Überraschungen
- Welche Schlafkabine wählen?
- FAQ
Formalitäten und notwendige Vorbereitungen
Der erste Schritt und vermutlich der am wenigsten romantische betrifft die Bürokratie. Um russisches Territorium zu betreten, ist ein Visum erforderlich. Der Antrag wird beim russischen Konsulat in Frankreich oder über eine spezialisierte Agentur gestellt. Die Dokumentation umfasst mehrere Unterlagen:
- einen Reisepass, der mindestens sechs Monate nach Ausstellung des Visums gültig ist,
- das ordnungsgemäß ausgefüllte Antragsformular,
- eine Kopie des Reisepasses,
- passbildgerechte Fotos,
- ein Rückflugticket,
- einen Nachweis einer Reiseversicherung, die den gesamten Aufenthalt abdeckt.
Besonderheit in Russland: Sie müssen auch eine offizielle Einladung, sogenannte Voucher, vorlegen. Dieses für die Erteilung des Touristenvisums unverzichtbare Dokument wird von einer zugelassenen Reiseagentur oder einem autorisierten Hotel ausgestellt. Wenn Sie das Abenteuer bis nach Ulan-Bator oder Peking verlängern, fügen Sie dieser Liste ein mongolisches Visum und ein chinesisches Visum hinzu, die mehrere Wochen im Voraus besorgt werden sollten.
Was das Gepäck betrifft, so ähnelt die Reise an Bord eher einem Miniaturleben als einer bloßen Fahrt. Einige wichtige Dinge, die in den Rucksack gehören:
- Zum Essen: Je nach gebuchter Variante kann eine Mahlzeit pro Tag inbegriffen sein. Es gibt einen Speisewagen, aber die Preise sind hoch. Besser ist es, trockene Lebensmittel mitzunehmen: Instantnudeln, Fertigsuppen, Tee, Kekse, Trockenfrüchte… Jeder Wagen verfügt über einen Samowar, der ständig kochendes Wasser bereitstellt. Denken Sie daran, einen Becher, Besteck und ein Messer mitzubringen.
- Zum Schlafen: Die Bettwäsche wird manchmal extra berechnet. Ein leichter Schlafsack, eine Schlafmaske und Ohrstöpsel machen die Nächte deutlich komfortabler, besonders in der dritten Klasse.
- Zur Körperpflege: Die Züge haben keine Duschen. Die Körperpflege findet am Waschbecken der Toiletten statt: Denken Sie an Feuchttücher, Seife, Toilettenpapier und ein Paar Flip-Flops oder Hausschuhe.
- Zum Zeitvertreib: Die Stunden werden länger, die Landschaft zieht vorbei, und genau das ist die Würze der Reise. Bücher, Hefte, Kartenspiele, heruntergeladene Musik… Vergessen Sie eine Powerbank nicht, denn Steckdosen sind an Bord selten.
Die richtige Route wählen
Die Strecke von Moskau nach Vladivostok ohne Halt zu fahren bedeutet etwa sechs Tage und sieben Nächte ohne auszusteigen. Viele bevorzugen es, die Reise in mehreren Etappen aufzuteilen, um sowohl die Monotonie zu unterbrechen als auch die durchfahrenen Städte zu entdecken. Achtung: Bei jeder Zwischenstation ist ein separates Ticket erforderlich. Wenn Sie ausgestiegen sind, ist Ihr ursprüngliches Fahrtticket nicht mehr gültig, daher muss die Route im Voraus geplant werden.
Hier sind die beliebtesten Haltestellen bei Langstreckentravellern:
- Moskau: Anfang oder Ende der Reise, die Hauptstadt konzentriert die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes – Roter Platz, Kremlin, U-Bahn mit Mosaikdekorationen.
- Nowgorod: Die älteste russische Stadt, in der dem Chronisten zufolge der Fürst Rjurik 862 gründete, was später zum russischen Staat werden sollte.
- Sankt Petersburg: Das „Venedig des Nordens" mit seinen Kanälen, der Eremitage und ihren kaiserlichen Palästen bedarf keiner näheren Vorstellung.
- Kasan: Hauptstadt Tatarstans, wo europäische und östliche Einflüsse koexistieren. Die Moschee Qolscharif, die 2005 wiederaufgebaut wurde, zählt zu den größten Europas.
- Perm: Tor zum Ural, berühmt für seine Kunstgalerie und Holzskulpturen aus Perm.
- Jekaterinburg: Gedenkstadt der Romanows, wo die kaiserliche Familie 1918 hingerichtet wurde. Die Kirche auf dem vergossenen Blut wurde zu Ehren ihres Martyriums errichtet.
- Nowosibirsk: Drittgrößte Stadt des Landes, jung und industriell, berühmt für sein Opern- und Balletttheater, eines der größten Russlands.
- Ulan-Ude: Hauptstadt Burjatiens, an der Schnittstelle russischer und mongolischer Kulturen, erkennbar an ihren geschnitzten Isben und der riesigen Lenindenkmal auf dem zentralen Platz.
- Irkutsk: Das „Paris Sibiriens", Zugangstor zum Baikalsee, dem größten Süßwasserreservoir der Erde und dem tiefsten See der Welt.
- Vladivostok: Pazifikendstation, ehemaliger Marinestützpunkt, heute eine Stadt in voller Erneuerung mit ihren Schrägseilbrücken, ihrer gegliederten Bucht und orthodoxen Kirchen.
Die Transmongolische Eisenbahn
Die Transmongolische Eisenbahn folgt der Transsibirischen Strecke bis Ulan-Ude, biegt dann nach Süden ab, um Ulan-Bator in der Mongolei zu erreichen, und führt dann weiter nach Peking. Rechnen Sie mit etwa vier Tagen zwischen Moskau und der mongolischen Hauptstadt. Dies ist die ideale Option für diejenigen, die Steppen, Jurten und die Wüste Gobi verbinden möchten.
Die Transmandschurische Eisenbahn
Eine weniger bekannte Variante, die Transmandschurische Eisenbahn folgt der historischen Strecke bis Tschita und biegt dann nach China über Harbin ab. Länger als die Transmongolische Eisenbahn, vermeidet sie die Mongolei und durchquert die Mandschurei, eine Region mit besonders reicher russisch-chinesischer Geschichte.
Tickets buchen – so geht es
Ihnen stehen drei Optionen zur Verfügung. Die abenteuerlichste besteht darin, Ihre Tickets direkt an russischen Fahrkartenschaltern zu kaufen. Das ist möglich, setzt aber eine gewisse Flexibilität beim Reisedatum voraus: Die Plätze sind oft ausverkauft, besonders von Juni bis August. Das sollten Sie vermeiden, wenn Ihre Termine feststehen.
Ein hilfreicher Tipp vor Ort: Ein Mini-Wörterbuch Russisch und eine kyrillische Alphabet-Tafel retten Sie aus mancher Situation, denn Englisch wird in Provinzbahnhöfen wenig gesprochen.
Zweite Möglichkeit: Online-Buchung auf der offiziellen Website der Russischen Eisenbahn (RZD) mit englischer Benutzeroberfläche. Die Tickets gehen etwa 45 Tage vor Abfahrt in den Verkauf, zögern Sie nicht, sie zu sichern.
https://pass.rzd.ru/main-pass/public/en
Schließlich bleibt eine Buchung über ein spezialisiertes Reisebüro die sicherste Lösung, um verwaltungstechnische Fallstricke zu vermeiden (Voucher, nicht austauschbare Tickets, schlecht abgestimmte Anschlüsse).
Wissenswertes: Alle Züge der Transsibirischen Eisenbahn fahren nach Moskauer Zeit, auch in Bahnhöfen, die Tausende Kilometer entfernt und mehrere Zeitzonen östlich liegen. Stellen Sie Ihre Uhr entsprechend um, um Ihren Zug nicht zu verpassen!
Welche Schlafkabine wählen?
Bei der Buchung werden Ihnen drei Wagenklassen zur Auswahl stehen, jede mit ihrer eigenen Atmosphäre:
- Erste Klasse – Spalny Vagon (SV): Zwei Schlafplätze pro Abteil, ein wenig Privatsphäre, Gepäckfächer, manchmal Fernseher. Komfortabel, aber teuer, und wenig verfügbar: Die Wagen sind selten, rechtzeitig buchen.
- Zweite Klasse – Kupe: Vier Schlafplätze pro geschlossenem Abteil. Dies ist die ausgewogenste Option zwischen Komfort und Preis. Ideal für Familien oder Freunde; wenn Sie allein reisen, teilen Sie die Kabine mit anderen Reisenden, oft eine Gelegenheit für unvergessliche Austausche.
- Dritte Klasse – Platzkartny: Ein offener Wagen mit 54 Schlafplätzen ohne Trennwände. Vier Betten in der mittleren Reihe und zwei entlang des Ganges, insgesamt achtzehn Sitzplätze an den Seiten. Weniger intim zwar, aber wohl die beste Möglichkeit, den Alltag der Russen zu teilen, das Leben im Wagen zu beobachten, zu Tee eingeladen zu werden oder an spontanen Gesprächen teilzunehmen.
Noch den Rucksack packen, die Uhr auf Moskauer Zeit einstellen und die Birken vorb

